Archiv für die Kategorie Tagebuch

Liebes Tagebuch …

Er stellte eine Tasse unter den Kaffee-Vollautomaten und betätigte irgend einen Knopf. Langsam lief die Milch in die Tasse, tropfte nacht und dem monotonen Mahlwerkgeräusch folgte die Ejakulation eines karamelfarbenen Presskaffees in den Milchschaum. Langsam spulten sich die Gedanken in ihre Bahnen und die Welt rückte aus ihrer Vertiefung in sein Bewusstsein zurück.

Etwas desorientiert und noch mit der Situation hadernd blickte er sich schnell um und ließ beiläufig zwei Zuckerwürfel in den Milchschaum-mit-Presskaffee plumpsen. Wo war die Zeit geblieben und welchen Gedanken ist er eben noch nachgehangen? Fragen, die ihn bohrend forderten. Schließlich war es immerhin eine halbe Stunde Fahrt zur Arbeit und an keinen einzigen Augenblick der Tour konnte er sich im Detail erinnern.

Der letzte Abend war lang, die vergangene Nacht kurz und der Morgen zu Grau. Die Arbeit viel, der Streß stark und die Herausforderungen hoch. Er fühlte sich stark aber geistig matt. Das Ergebnis wochenlanger Ausdauer. Und dennoch … jetzt durfte er nicht nachlassen. Jetzt wo’s so gut lief durfte er die Zügel nicht hängen lassen.

Die nun leere Tasse in seiner Hand schob er nochmals unter den Ausgabekopf des Kaffeevollautomaten und betätigte den Knopf für doppelte Espresso drei Mal. Dieses Volumen fasste die Tasse gerade noch so und er kam wieder auf Touren!

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Liebes Tagebuch …

Es stank nach Hund – nach nassem Hund! Da stand einer mit einem grünen Janker, einer kurzen Frisur, unrasiert und schelmisch grinsend in einer undefinierbaren Nähe zum Eingang. Einem Hereinkommenden blieb die Wahl draußen zu bleiben oder sich um das riechende “Keine-Angst-der-tut-nix”-Ungeheuer herum zu schleichen und beides waren keine willkommene Optionen. Das stylish-ungepflegtes Herrchen mit dem Wohlstandsbauch stand am Stehtisch und blickte unruhig umher.

Wie jeden morgen kam er kurz vor Neun zum Dienst – heute etwas früher. Ihm war die Erscheinung im Restaurant etwas suspekt – der Würmli-Effekt war nicht possitiv – und dennoch grüßte er höflich. Im Büro vibrierte die Stimmung. Die Kollegin leicht nervös zischte in den Hörer und versuchte ihrem Gegenüber verständlich zu machen, dass der Gast nicht lange auf die Fertigstellung des Zimmers warten wolle. Sie knallte den Hörer auf das Telefon und schaute ihn an. “Wir haben einen Walk-In und das Zimmer ist noch nicht soweit!” Kurze Zeit später stand der Neuankömmling zum wiederholten Male an der Rezeption und meinte dann schroff: “I wui etzat ins Zimmr! S’isch mir Wurscht wias ausschaugt!” – Das Zimmer in der Anwesenheit des Gastes putzend, beeilten sich die Zimmermädchen schnell fertig zu werden.

Er saß an der Rezeption, da schlurfte mit schleppendem Schritt in Badelatschen und einem sehr knappen Bademantel der Neuankömmling durch die Lobby und baute sich vor der Rezeption auf. In nahezu perfektem Hochdeutsch artikulierte er: “Ich habe ein Problem. Der Hund ist über den Balkon ins Nachbarzimmer und hat da hingesch…” – Die Gehörgänge des Rezeptionisten verengten sich; mehr wollte er nicht hören! Langsam schlichen sich durch eine lebhafte Phantasie beflügelt Bilder vor sein inneres Auge. Ein herzliches aber nicht ehrlich gemeintes Lächeln huschte auf sein Gesicht und mit einem kontollierten und gefassten Gesichtsausdruck bedeutete er seinem Gegenüber mit wenigen Worten, dass diese Herausforderung rasch beseitigt sei.

Der gastgeberische Sinn des Rezeptionisten wurde um ein Weiteres auf eine harte Probe gestellt. Im Laufe der kommenden Tage unterhielt der etwas sonderbare Gast beim Abendessen stets den gesamten Speisesaal mit schlechten Witzen und erzeugte nebenbei Mißmut bei den anderen Gästen. Sein vierbeiniger Freund mit dem K9-Power-Hundegeschirr inklusive Aufdruck “Der tut nix” attakierte den Yorkshire Terrier anderer Hundebesitzer und zum guten Schluss kaufte er auf die Zimmerrechnung den halben Hotel-Shop leer. Letzteres betrachtete man erfreut und besorgt, so konnte es sich bei der Menge an Einkäufen auch um einen Einmietbetrüger handeln. Am Tag der Abreise bezahlte der Sonderling seine Rechnung bar und anstandslos.

Man kann so viel Menschenkenntnis besitzen wie man möchte, letztenendes kann man immer noch überrascht werden!

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Liebes Tagebuch …

“… wenn ihr das nicht begreift, dann endet ihr irgendwann als Müllmann oder Pizzabäcker!” schallten die Worte des Mathematiklehrers durchs Klassenzimmer und fräßten sich in die Windungen seiner Gehirngänge. Mit dieser neurologisch-traumatischen Audio-Prophezeihung verlies er die Schule in der Hoffnung und mit dem Willen nicht als eine fladenteigschwingende helblonde Italienerkopie oder modisch uninteressant in einer orangfarbenen Latzhose zu enden.

Fast zehn Jahre später, er hatte es mittlerweile vom Tellerwäscher zum Assistenten der Geschäftsleitung gebracht, öffnete sich eines schönen Tages die Eingangstüre und herein trat eine gesetzte Gestallt. Kurze Treckinghose, Wadenstrümpfe – vermutlich selbstgestrickt und zu Weihnachten geschenkt -, Brille mit Sonnenbrillenclip und feinkarriertes Hemd. Die Ärmchen in die Seite gestemmt und breit grinsend schaute sich der fernglasbehängte Besucher um und meinte trocken: “Hoi, … sehr schön eingerichtet haben Sie es hier!”

Dem jungen Hotelier krachte das Herz wie eine Abrissbirne nach unten und suchte sich Raum in der Lendengegend. Wild pochend verbreitete sich im unteren Segment des Torsos ein Gefühl von Sättigung und einem verschluckten Schaf mit Mundgeruch und doch riss er sich zusammen. Er kannte diese Person und wie vor einer Schalttafel mit abermillionen Knöpfen sitzend probierte sein Verstand mit allen Armen und Fingern aus, welcher dieser Hebelchen und Schalter zu bewegen wäre um dem Gesicht den richtigen Namen zuzuordnen. Und wie ein Donnergrollen schallten die Worte in sein Ohr: “Junger Mann, kann ich bitte ein Prospekt von Ihrem Haus haben?” – KLICK! Da war der Knopf!

In Sekundenbruchteilen schoss die Farbe zurück in die Hautpartie zwischen Haaransatz und Kinn, die Mundwinkel zogen sich zu einem breiten aber freundlichen Grinsen in die Höhe und als hätte er nie über den Namen seines Gegenüber nachgedacht reichte er die eben gewünschten Unterlagen mit den Worten über die Rezeption: “Natürlich habe ich ein Hausprospekt für Sie, Herr Schlürer!” – Dem Gegenüber war das plötzliche Auftreten einer geistigen Bildstörung anzusehen und dennoch fasste er sich schnell: “Ich hatte Sie früher in Mathematik, nicht? Und Sie hatten damit kein Glück bei mir, oder?” – Der Rezeptionist nickte freundlich lächelnd und antwortete: “Nein, aber zum Pizzabäcker habe ich es auch nicht geschafft!”

Verstohlen lächelnd wand sich der GreyHopper nach ein paar weiteren Worten der Wiedersehensfreude dem Ausgang zu und verließ das Haus. Ganz nebenbei meinte seine Frau: “Mit Dir kann man nirgends hingehen. Ständig und überall kennt Dich jemand!”

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Liebes Tagebuch …

Was wäre wenn …? Diese Frage läßt ihn, so sehr er seine Hirnwindungen auch den Himmelsrichtungen nach auszurichten versucht, immer wieder bei einer weiteren Frage enden. Mathematisch betrachtet und abstrakt wie abstrus um die Ecke gedacht würde sich das Problem – also X – zwar auflösen, dafür würde eine weitere Unbekannte – nämlich Y – seinen Platz einnehmen. Er wäre folglich nicht weiter und genau diese Erkenntnis schien Ihm auch die Erklärung zu sein, warum man mit “Was wäre wenn…” genauso weit kommt wie mit einem Eisbrecher in der Wüste.

Doch, dem Gedanken die Ehrerbietung zu beweißen verbrachte er eine geraume Zeit damit und fragte sich ob es verwerflich wäre, wenn er zwischen betrieblichen Interessen und sozial-kollegialen Gesichtspunkten entscheiden müsste, sich für das betriebliche zu entscheiden. Jede Gelegenheit die sich ihm bot nutzte er um Für und Wider gegeneinander abzuwägen.

Es ist letzlich das betriebliche Interesse, das einen davor bewahrt auf einer emotionalen Ebene zu entscheiden und mit diesem Beschluss baden zu gehen. Letztendlich ist es auch so, dass das betriebliche Interesse von längerer Dauer und damit auch für sein eigenes Interesse steht.

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Liebes Tagebuch …

Mitten im Geschehen hielt er inne, griff an seinen Gürtel und zückte das Telefon. Das Gerät zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt nahm er den Anruf entgegen, während er durch wildes Gestikulieren mit Händen und Zetteln den umherlaufenden Kellnern die Destinationen der zubereiteten Speisen anwies. Es war kein einfacher Job, den er da hatte, aber er tat ihn gerne. Die Stimme am anderen Ende des Telefons erwähnte einen Defekt in der Damentoilette und bat ihn sich darum zu kümmern. Als notorischer JA-Sager mit einem Gendefekt, der von Natur aus schon verhinderte, dass er ein NEIN über die Lippen gebracht hätte, quitierte er den Anruf mit einer verbalen Auftragsannahme, ließ Koch und Kellner stehen und lief los.

‘Man würde ihn nicht anrufen und aus dem laufenden Service holen, wenn es nicht wichtig wäre.’

Noch eine flappsige Bemerkung reißend zieht er seinen Weg durch die Lobby und öffnet nach einem zögerlichen Klopfen die Türe zur Damentoilette. Licht, Wasserhahn, Lüftung, Wickeltisch. Alles intakt! Er dreht sich herum und … ‘das ist jetzt nicht wahr!‘. Die Hinterlassenschaften eines größeren Geschäfts zieren den Boden vor der Schüssel lassen den Weg des Produzenten bis zum Handwaschbecken erahnen. Schwer geschluckt und den Gedanken an einen frühen Feierabend verwerfend, stellt er sich die Frage, wie er diese Herausforderung psychologisch angeht. ‘Im Prinzip ist es, als würde man das Häufchen des eigenen Hundes entfernen!’ Doch der Gedanke hinkt – Hunde gehen nicht auf die Damentoilette und wenn, dann verrichten sie im Normalfall dort kein Geschäft.

Nach den Reinigungsarbeiten und literweise Desinfektionsmittel verschwendete er keinen Gedanken mehr daran an diesem Abend noch irgend ein Tellergericht in die Hand zu nehmen. Der Dreck war zwar weg, doch die Gedanken kreisten immer noch wie Fliegen um die … . Selbst die Kollegen verweigerten ein Händeschütteln. Humorvoll verabschiedete er die Erinnerungen an dieses Vorkommnis mit den Worten: Shit happens!

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Liebes Tagebuch …

Da saß er! Hätte man ihn gefragt, er hätte sich selbst als ‘ein Haufen Scheiße’ betitelt. Frustriert und abgekämpft hing er im Schreibtischstuhl und wünschte sich nach Hause. Angefangen hatte der Tag ja eigentlich schon gestern:

Geschaft von der Arbeit kam er gerstern nach Hause und kümmerte sich noch kurz um seinen kleinen Haushalt, bügelte ein Hemd und putzte die Schuhe für den folgenden Tag. Er wollte nach dem Aufstehen dieses Mal einfach keinen Streß haben und er war beauftragt worden morgen zudem noch bei der Tankstelle eine Zeitung zu besorgen.

Am nächsten Morgen! Er stand auf und hatte wirklich schlecht geschlafen. Halb benommen stieg er ins Auto und fuhr zur Tankstelle um besagte Zeitung zu kaufen. Das Papier auf dem Beifahrersitz erhielt er einen Anruf, er müsse noch ein Bügeleisen mitbringen und sich beeilen. Das Bügeleisen zuhause abgeholt platzierte er auf der Zeitung und übersah, dass sich das noch im Bügeleisen befindliche Wasser über die Zeitung ergossen hatte. Fluchend machte er seinen Weg zur nächsten Tankstelle um die selbe Zeitung nochmals zu kaufen. Das allgemein normale Chaos des Tages sei an dieser Stelle ausgeblendet. Lediglich die Tatsache, dass sich an just diesem Tag zudem noch ein Kunde ausfällig beschwerte machte die Aussichten auf ein Happy End zunichte.

Hätte er am morgen die Wahl zwischen zu spätz zur Arbeit kommen und dem nun geschehenen Tag gehabt, so hätte er sich jetzt für ersteres Entschieden in der Hoffnung, es würde dann besser enden.

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Liebes Tagebuch …

Verblüfft saß er am Schreibtisch, vor sich einen leise schnurrenden Laptop dessen heller Monitor den weiß tapezierten Raum hinter ihm in ein aschfahles Licht tauchte. Eben hatte er noch das dringende Bedürfniss gehabt einen Text zu schreiben. Ihm brannten die Finger und unter den Kuppen stellte sich ein leichtes prickeln ein.

Nun saß er da. Die Finger auf der Tastatur verkrampft in einer Ausgangsstellung als würden sie zum Startschuss den Marathon beginnen. Seinen leeren Blick auf ein virtuell leeres Blatt gerichtet zermarterte er sich den Kopf, was er denn nun schreiben könne und wozu es eigentlich gut wäre wenn er etwas schriebe. Konzentriert kniff er die Augen zusammen und fixierte das Weiß vor ihm, während im ansonsten unbeleuchteten und vom bläulichen Schein des Monitors seine gebückte Silouette ein kroteskes Schattenbild hinter ihm an die Wand zeichnete.

Frustriert griff er nach der Maus, klickte und

 -Power Off-

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Liebes Tagebuch …

Am Ende des Tages fragte er sich, was er nun die letzten Stunden über getan hatte. Zugegebenermaßen war es ein wirklich betriebsamer Tag gewesen – vor allem aber auch ein Tag voller Ereignisse. So ist doch jeder Moment ein Ereignis, dachte er und zählte in seinem Inneren all die Aufgaben, Herausforderungen, schöne Momente und Menschen auf, die er heute erleben durfte.  Für Ihn war es zwar nicht ganz zufriedenstellend, da er seine getane Arbeit nicht messen konnte – seine Kollegin hatte über ihre Aufgaben Protokoll geführt – aber dennoch fühlte sich sein eigenes Ego besänftigt.

Warum, fragte er sich zum Schluß, ist das Ende einer Sache meist der Anfang einer größeren Anderen?

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Liebes Tagebuch …

Er wusste nicht was er heute mit sich anfangen sollte. Ohne soziale Kontakte und Verpflichtungen waren seine häuslichen Aufgaben ein notwendiges Übel, das er sich an seinem freien Tag nur ungern antat. Lieber zog er es vor nach einem Spaziergang in den wärmenden Strahlen der lauen April-Sonnen-Aura der selben Trägheit nachzugeben, die Gott am siebenten Tag erfahren durfte.

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