Nach dem Studium – Mit der Türe ins Feld!

“… und ich hätte da noch eine Kandidatin, die eben erst ihr Studium an der BA beendet hat. Sie möchte als Assistentin der Geschäftsleitung tätig sein!” klingt es in mein Ohr. Doch im nächsten Moment stelle ich mir die Frage: ‘würde ich sie einstellen? – Vielleicht ja, vielleicht nein!’

Ein Studium an der Dualen Hochschule oder auch Berufsakademie dauert 3 Jahre. Genauso lange wie ein Lehrling bräuchte um seine Lehre zum Hotelfachmann zu absolvieren. Vermittelt werden dem Abiturienten, denn das sind sie alle, im Studium und dessen praktischen Teil im Betrieb Wissen und Kenntnisse des Hotelfachmanns und zusätzlich betriebswirtschaftliches Know How. Der vorhergehenden Bildung entsprechen werden also Inhalte vermittelt, die über den normalen Stoff des Hotelfachmanns hinausgehen.

Die Vorzeige-Kariereleiter eines Hotelfachmanns zeichnet im folgenden dann Stationen aus, wie: Ausbildung, Erste Erfahrungen, Auslandsaufenthalt, Noch mehr Erfahrungen in Assistentenstellen, evtl. Betriebswirt-Studium, Assistent der Geschäftleitung, stellvertr. Direktion und irgendwann vielleicht Hoteldirektor oder ähnliche Abwandlungen dieses Werdegangs. Blickt man auf diese Auflistung und rechnet die Jahre zusammen in denen ein normal gelernter Hotelfachmann sein Ziel erreicht, und hält man sich die Idee vor Augen, dass jemand durch ein Studium 2/3 der Zeit abkürzen könnte, so fühlt sich ein “normal gelernter” Hotelfachmann um seine Lebenszeit erst dann betrogen, wenn an seiner Statt ein frisch gebackener BA-Absolvent die Stelle erhält.

Ohne Zweifel ist die Ausbildung an der Dualen Hochschule eine besonders qualifizierte Vorbereitung auf das Berufsleben. Jedoch fehlt es dem Absolventen wie auch dem Hotelfach-Gesellen an Erfahrung und Know-How. Grundsätzlich empfehle ich beiden durch Auslandsaufenthalte und die Arbeit in verschiedenen Häusern den Wissensstand in und um den Beruf weiter auszubauen. Durch kleine Schritte erlangt man fundierte Kenntnisse über das gesteckte Ziel. Backgroundinformationen sichern dadurch stets das Wissen über und um die Arbeit aller anderen Abteilungen ab.

Steigt man jedoch aber nach der Ausbildung gleich “ganz oben” ein, tut man sich in Vielem schwerer. Zunächst ist dort die Akzeptanz der Kollegen und untergeordneten Mitarbeiter gegenüber einem unerfahrenen Neuling oft nicht sehr groß. Das lückenhafte Erfahrungs-Gebäude bietet kaum Absicherung und die eigene Kompetenz verschwindet ganz schnell hinter den Unkompetenzen. Letztenendes wirkt sich das auf die Arbeitsleistung und im Anschluss auch auf das Leistungszeugnis aus. Schade, denn der junge Mensch wäre im nächsten Betrieb vielleicht besser aufgehoben.

Der Erfolg der einzelnen Schritte hängt ab von deren Anzahl, Tiefe und ihrer Weite!

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